Reisebericht – Besuch bei der Dieter Jautze Schule

Endlich war es nun soweit – nach langer Vorbereitungszeit machten wir uns auf die Reise zur Schule, was unserem geliebten Freund Dieter Jautze leider verwehrt blieb.

Über Frankfurt nach Bangkok flogen wir weiter in den Norden Thailands – nach Chiang Mai. Dort erwartete uns der Vorstandsvorsitzende und Humanist vom Verein between-borders (ehem. "Helfen ohne Grenzen") Karl Förster und sein Mitarbeiter Sai Yawd, der darüber hinaus für uns Burmesich übersetzte. Für die Fahrt ins Camp gab es noch einiges zu klären. Karl hatte schon vorab einen Klein-LKW (Pick-Up) und Fahrer organisiert.

Ohne die Verbindungen von Karl, wären wir nicht mal annähernd an das Camp herangekommen. Da er einige der Border-Schulen an der burmesischen Grenze seit vielen Jahren selbst mit aufgebaut hat und seither betreut, hatte er dementsprechende Verbindungen. Wir hatten deshalb auch direkt Termine beim Schulleiter und beim General der Shan Armee. Die Schule befand sich direkt an der Grenze zu Thailand, Unruhen sind dort immer noch an der Tagesordnung. Von Sai Yawd  erfuhren wir, dass es in der Nähe der Grenze Anfang diesen Jahres Aufstände gab, bei denen über 1000 Menschen getötet wurden. Nichtsdestotrotz haben wir an unserem Plan, die Schule zu besuchen festgehalten – zumal es schien, in den Bergen einigermaßen ruhig zu sein.

Nach 2 Tagen Akklimatisierung an das hiesige Wetter und die Ortszeit, ging es am 11.08.2013 los. Eine Mitarbeiterin einer weiteren Organisation nahmen wir mit zur Schule. Wir fuhren auf dem dicht gepackten LKW auf der Ladefläche bis in den Abend hinein – hoch in den Norden Richtung Grenze. Es war Regenzeit und das merkte man auch direkt – es regnete, wie aus Eimern und an einem Stück! Wir hofften, dass das irgend wann mal aufhören würde. Wir konnten alles gebrauchen, nur keinen Dauerplatzregen im Camp. Während der Fahrt hatten wir noch zusätzliche Hilfsgüter eingekauft, die dringend benötigt wurden. Matratzen, Metallwaren und verschiedene andere Dinge. Auf Wunsch eines Spenders haben wir auch einige große Dosen Süßigkeiten eingekauft.

Über die schlechten Straßenverhältnisse in Deutschland haben wir uns geschworen, lange Zeit nicht mehr zu beklagen. Im Minutentakt tauchten sie auf, wie aus dem Nichts! Alle 212 Knochen schmerzten, die Schlagverletzungen hielten sich aber in Grenzen und waren noch heilbar. Wir übernachteten vor unserer Weiterfahrt tags drauf in einem kleinen chinesischen Dorf mit einem schönen, kleinen Guesthouse mitten im Dschungel. Am nächsten Morgen sollte es dann nochmal ca. 2 Stunden bergauf bis zu unserem Ziel gehen. Und natürlich regnete es, als wir los fuhren, immer noch. Wir dachten uns, wie sollen wir denn da Fotos machen können, geschweige denn das Camp und die Kinder besuchen. Den Fotoapparat hätten wir nach 2 Minuten genauso gut in den Fluss werfen können! 20 Minuten bevor wir im Camp ankamen, hatte es ein Einsehen mit uns und es hörte plötzlich auf, zu regnen. Wir dankten allen zur Verfügung stehenden Göttern und Nats!

Schlafhütten für die Kinder, eine Küche, ein kleines Lager und sogar 2 Schulräume. Schade, dass das unser lieber Freund Dieter selbst nicht mehr erleben durfte. Dann sahen wir das von Karl aus Holz angefertigte Schild: "gestiftet von Dieter Jautze & Freunde". Die Gefühle waren so stark, wir hätten uns lieber in ein Eck verkrochen und geweint. Doch die Kinder hätten das wohl nicht verstanden. So rissen wir uns zusammen und zeigten das, was wir den Kindern geben wollten, Freude, wichtige Güter und natürlich Geld, um das Camp aufrecht zu erhalten. Der Prinzipal (Schulleiter) ließ die Kinder nach Größe in "Reih und Glied" aufstellen. Wir verteilten an jeden was aus den großen Dosen an Süßigkeiten. So etwas kennen die Kinder kaum, um so größer waren auch deren Augen. Was sie mit ihren kleinen Händen fassen konnten, nahmen sie. Sie schoben es sich sofort aus der Hand in den Mund. Einige waren gewieft und stellten sich noch mal an, mit halb hochgezogenen T-Shirt. So kann gleich mehr transportiert werden. Wir beugten uns schnell dem gewünschten Nachschlag. Alle waren zufrieden am Naschen. Der gekaufte Vorrat an Süßigkeiten sollte bei vernünftiger Einteilung einige Zeit ausreichen.

Mit Karl und allen anderen saßen wir dann an einem Tisch, denn es mussten einige wichtige Gespräche und Verhandlungen geführt werden. Wie im richtigen Leben, führt sich so ein Camp nicht von alleine. Zum Schluss noch ein Gruppenfoto, natürlich auch mit dem General, denn so langsam mussten wir uns wieder auf die Rückfahrt vorbereiten. Wir wollten schließlich gegen Mitternacht wieder in Chiang Mai sein.

Wir danken allen Spendern, die dadurch nicht nur dringende Waren für die Kinder mit getragen haben, durch die Vielzahl der Spenden können die derzeit 14 Waisenkinder, für die der Verein between-borders die Verantwortung übernommen hat, für ein ganzes Jahr im Camp versorgt werden. Sogar wichtiger den je, denn wir hatten erfahren, das sich leider ein langjähriger und wichtiger Großspender aus dem Projekt zurückgezogen hat. Wie es nach einem Jahr weitergeht und ob, das steht noch in den Sternen. Liebe Spender, Danke.

Für unseren verstorbenen Freund Dieter Jautze & Freunde Kurz vor dem Grenzposten nach Burma wurden wir instruiert, bei der Kontrolle uns still zu verhalten und nicht zu sprechen. Argwöhnisch wurden wir begutachtet, man ließ uns passieren. Endlich, das Camp war in Sichtweite. Als wir einfuhren, strömten schon die Kinder aus allen Himmelsrichtungen in zu unserem Fahrzeug. Welch eine Freude, wir sind angekommen!

Ganz ordentlich hatten sich die Kinder zu einer Menge aufgestellt. Wir wurden begutachtet, mit Fragezeichen in den Gesichtern und erst mal sehr zurückhaltend. Westliche Besucher sind den Kindern wohl fremd. Während Karl wichtige Formalitäten mit dem Schulleiter zu klären hatte, inspizierten Kerstin und ich das Schul-Camp. Es hatte sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Pionierarbeit von Karl und seinen Helfern. Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne die Spenden der vielen Menschen.

Die Vollwaisen werden speziell vom Verein gestützt, jedoch viel uns ein Kind auf, dessen Arme und Beine von Geburt auf deformiert waren. Das Mädchen kann aus eigener Kraft nicht laufen und muss sich deshalb sprichwörtlich durch den Dreck ziehen, wenn es nicht getragen wird. Sie hat noch eine Mutter mit weiteren 7 Geschwistern, die in der Nähe des Camps lebt. Wir berieten uns mit Karl und Sai Yawd, ob hier nicht mit dem Spendengeld irgendwie geholfen werden kann. Da eine dringende Operation leider nicht möglich ist, hatten wir nun beschlossen, dass Karls Mitarbeiter in Thailand eine Art fahrbaren Untersatz per Hand anfertigen lässt, damit sich das kleine Mädchen wenigstens auf dem Boden selbstständig, mit Rollen montiert, fortbewegen kann. Die Kosten würden sich so auf 200,-€ belaufen. Wir entschieden gemeinsam so und hoffen, dass es all den Spendern recht ist.

Wir begutachteten noch einige Zeit das Camp und konnten durchaus feststellen, dass es sich in einem ordentlichen Zustand befindet. Es hatte sich viel getan, aber ohne weitere laufende Spendengelder ist es eben nur so aufrecht zu erhalten. Dank den gesammelten Spenden durch Dieter, so sagte mir Karl, konnte das Camp überhaupt entstehen und verwirklicht werden.   Etwas später kam sogar höchstpersönlich der General der Shan-Armee und begrüßte uns.

Abschließend möchten wir folgendes erwähnen:
Wir möchten auf diesem Wege dem lieben Karl Förster danken, dass er, obwohl ihn seit geraumer Zeit eine sehr ernst zu nehmende Krankheit in Mitleidenschaft zog , diesen Transport noch mit uns durchgeführt hat. Wir wussten davon nichts – Karl hatte uns das nicht erzählt. Hätten wir Kenntnis davon gehabt, hätten wir den Transport von unserer Seite aus aller Wahrscheinlichkeit nach abgesagt. Aber genau das wollte er nicht, es war ihm selbst zu wichtig und stellte es vor seine Gesundheit. Aber genau so kannten wir ihn ja alle. Karl, wir alle wünschen dir alles Gute, wo immer Du jetzt auch bist.

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