Die Situation von Migranten in Thailand

Vor einigen Tagen hatten wir ein Treffen mit Vertetern von SYP (Shan Youth Power). Seit 2002 setzt sich die Gruppe dafür ein, Shankindern, die mit ihren Familien aus dem Shan-Staat nach Thailand emigriert/geflohen sind, die Chance auf Bildung und soziale Teilhabe zu eröffnen. Nach unserem Gespräch schenkten sie uns jedem ein Exemplar des von ihnen herausgebrachten Buches ‘Dreams Of Homeless Children’. Hier erzählen Betroffene, wie ihre Lebenssituation im Shan Staat war, was die Gründe waren für die Flucht ins fremde Thailand und wie ihr Überlebenskampf dort weitergeht. Das Buch steht auf der homepage von SYP zum Download bereit. Als ich es gelesen habe, habe ich mir überlegt, Ihnen in ein paar Sätzen von eben jenen Lebenssituationen zu erzählen. Sie helfen genau diesen Kinder und Jugendlichen mit Ihrer Spende.

Pen Ti Burma
Burma und umliegende Staaten

Der Shan Staat ist Bergland. Die ca. 7.000.000 Shan oder Tai, wie sie sich selbst nennen, leben hauptsächlich von der Landwirtschaft. Die Region ist reich an natürlichen Ressourcen. Die größten Städte sind Taunggyi, Lashio, Hsipaw und Kengtung. Nach den Burmanen sind die Shan die zweitgrößte ethnische Bevölkerungsgruppe und einst dominierten sie in Burma. Sie haben eine alte und reiche Kultur.

Seit etlichen Jahrzehnten werden die Menschen im Shan Staat von unzähligen größeren und kleineren Milizen drangsaliert. Vorwiegend geht es denen um Anbau, Verarbeitung und Transport von Drogen aber auch um das Geschäft mit den natürlichen Ressourcen der Region. Die Bevölkerung ist hier meist einfach nur im Weg. Aber vor allem die Soldaten der regulären Armee Burmas bedrohen und drangsalieren die Menschen. Wo sie sind herrscht oft genug nur noch Terror und Willkür. Wie lebt man nun unter solchen Bedingungen?

Was tut man, wenn die Chancen auf Bildung auf dem Land gegen null gehen weil der Regierung Schulen und Bildung nichts wert sind? Wo geht man hin, wenn Soldaten jederzeit ins Dorf kommen und jeden mitnehmen können weil sie Träger brauchen, Zwangsarbeiter oder Sexsklavinnen? Die Menschen können ihre Felder nicht mehr bestellen und werden in der Zwangsarbeit oft genug zu Tode geschunden. Wie kann man an eine sichere Zukunft denken, wenn einem das Land, das die Familie seit Generationen beackert, von jetzt auf gleich weggenommen werden kann? Wenn man kein Papier hat, das beweist, das einem dieses Land  gehört? Ein Leben in einem rechtsfreien Raum.

Wenn eine Familie jetzt in benachbarte Thailand geht, sind sie dann Flüchtlinge oder sind sie Migranten? Das UNHCR erkennt die Shan nicht als Flüchtlinge an. Im Umkehrschluss, sind die Maßnahmen der Burma Armee oder der massenhafte Landraub durch Regierung und Geschäftsleute also legitim bzw. kein Grund zu fliehen.

Ist die Enscheidung dan gefallen und die Familie geht in eine ungewisse aber vermeintlich sicherere Zukunft nach Thailand, wo geht sie dann hin und wovon lebt sie? Die Angst davor, als illegale Einwanderer entdeckt und verhaftet zu werden ist groß und so müssen sich die Menschen zunächst häufig verstecken. Krankheiten auf Grund der Strapazen und der kontinuierlichen Mangelernährung in Kombination mit den armseligen Lebensbedingungen in solchen Verstecken, sind eine häufige Folge der Flucht. Wo soll man den auch hin, wenn man krank wird. Ohne ID, als ‘Illegaler’ gibt es keine Gesundheitsversorgung.

Wenn eine Familie dann Arbeit gefunden hat, ist dies fast immer ein sogenannter DDD Job. Dangerous, Difficult, Dirty. Arbeit auf Baustellen oder in pestizidverseuchten Orangenplantagen sind typisch. Die Familie lebt meist auch auf der Arbeit und ist so kontinuierlich verfügbar. Dunkle Verschläge mit einem Wellblechdach, die sich dann mehrere Personen teilen, heizen sich tagsüber auf.

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hier leben 5 Personen

Während die Eltern arbeiten, müssen die Kinder oft in diesen brlüllend heissen Verschlägen den Tag verbringen. Sie sind schliesslich illegal. Manchmal können z.B. kleine Kinder mit auf die Arbeit gebracht werde. Sie werden während Mutter in der Plantage Chillies, Orangen o. anderes aberntet, unter einen Baum gelegt, müssen dort dann oft festgebunden werden. Viele Kinder arbeiten aber auch schon mit. So können sie etwas zum Verdienst der Familie

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die Mutter weg, der Vater trinkt und prügelt

beitragen. An Spielen oder Lernen ist in so einem Umfeld dann nicht zu denken. 24 Std. sind die Menschen in den Plantagen dem widerlich süßlichen Gestank von Pestiziden ausgesetzt. Die Krebsrate unter den Migranten in den Plantagen nimmt in den letzten Jahren extrem zu.

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Toilette für alle Familien die auf der Plantage arbeiten
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dieser Schulbus fasst 40 Kinder und wird von einer Hilfsorganisation gestellt
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die Englisch Anfängerklasse

Seit einigen Jahren erlauben die thailändischen Behörden Migrantenkindern den Schulbesuch. Am Anfang wurden sie häufig noch diskriminiert, aber das scheint sich in der letzten Zeit gebessert zu haben. Ein Riesenproblem sind die Kosten, die bei einem Schulbesuch anfallen. Der Staat stellt nur eine Schuluniform. Die ist schnell abgetragen und so sieht man den Schülern ihre Armut an der Kleidung an. Eine durchschnittliche Thaifamilie hat 2-3 Uniformen pro Kind. Vor allem aber sind die Transportkosten ein Problem bzw. Hinderniss für den Schulbesuch der Kinder. Die Arbeits- und Wohnstätte liegt meist weit entfernt von der Schule.

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die Lehrerin unterrichtet zwei Klassen parallel

Die Eltern träumen von einer besseren Zukunft für ihre Kinder, die Kinder wollen zur Schule gehen. Das ist ihr größter Traum. Und so ist es eine Freude eine dieser Schulen zu besuchen und ihnen beim Lernen zuzuschauen. Between-Borders, Shan Youth Power und andere Organisationen wollen helfen, diesen Kinder nicht nur eine Grundschulausbildung zu ermöglichen, sondern auch den Besuch einer weiterführenden Schule und später einer Universität. Wir betrachten Bildung als eine der nachhaltigsten und sinnvollsten Hilfen. Sie ermöglicht es den Migranten und Flüchtlingen aus Burma später ihren größten Traum zu erfüllen. Wenn man die Jugendlichen fragt, was sie am Ende eines Studiums tun wollen, dann sagen eigentlich alle, daß sie zurück in den Shan Staat gehen wollen und in ihren Communities helfen wollen, das Leben zu verbessern.

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Saeng 2008 als Waisin im Mädchenhaus des Flüchtlingscamps Kung Jor und 2015 als Verantwortliche für alle Bildungsprojekte des SSDF (Shan State Developement Fonds) entlang der Grenze

Auf meiner Reise in diesem Jahr treffe ich viele junge Menschen, die genau das machen. Sie unterrichten mittlerweile selbst in den IDP Camps. Ich erinnere häufig noch, wie sie selbst Schüler/innen waren. Oder sie tragen in anderer Funktion Verantwortung für die Community.

Mehr über das Leben und überleben von Shan Migranten in Thailand und vor allem ihre Geschichten aus erster Hand finden Sie  hier .

 

 

 

 

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