Besuch bei den Stipendiatinnen in Bangkok

Bangkok, 08.11.2012

Nach 2 Wochen in Burma bereite ich mich auf meine Rückreise ins kalte Deutschland vor. Ein wichtiger Termin steht aber noch an. Ich möchte unsere beiden Stipendiatinnen in Bangkok besuchen.

Am Nachmittag verabrede ich mich zunächst mit Nang Shwe Kyar. Sie studiert im 3. Semester im Studiengang Bachelor of  Business Administration, also: Betriebswirtschaft, an der Ramkhanghaeng Universität.  Ihr Englisch hat sich seit unserem letzten Treffen sehr verbessert. Sie spricht aber weiter sehr leise und erzählt mir, dass sie sich in der Riesenstadt Bangkok nicht wohl fühlt. Der Verkehr, der Krach und die vielen Menschen aber auch die hohen Preise für Lebensmittel machen ihr zu schaffen. Sie hat kaum Zeit für Freunde und sehnt sich nach dem Shanland und ihrer Familie, die sie einmal in Bangkok besuchen konnte. Sie wohnt in einer kleinen Soi (Nebenstrasse) neben der Uni in einem Wohnheim für junge Frauen.

Snow, wie sie von allen genannt wird, freut sich darauf  nach ihrem Studium in ihrer Heimat, im ländlichen Shanstaat,  armen Familien mit Mikrokrediten helfen zu können bzw. dabei mit zu wirken ein System zur Mikrokreditvergabe zu einzuricheten.

Am Abend treffen wir Ying Lurn Seng.  Sie kommt von ihrer Arbeit im Krankenhaus und trägt noch ihre Arbeitskleidung incl. Schwesternhaube, wie es in Thailand üblich ist. Ying Lurn Seng studiert im 3. Semester Pflegewissenschaften an der Assumption Universität. Die Unis der beiden jungen Frauen liegen in 5 Minuten Gehstrecke voneinander entfernt.  Sie strahlt als wir uns treffen und erzählt stolz von ihrer Arbeit auf der gynäkologoschen Station. Seit einigen Wochen hat sie wechselnde Praxiseinsätze. Die Gynäkologie gefällt ihr aber besonders. Auf der kleinen Strasse neben der Uni, in der viele kleine günstige Restaurants liegen, treffen wir viele andere Schwestern, die nun Feierabend haben und die Frauen begrüßen sich und erzählen sich von ihren jeweiligen Schichten. Ying Lurn Sy wirkt wirklich in ihrem Studium angekommen und macht den Eindruck ihre Bestimmung gefunden zu haben. Sie zeigt mir ihre Pflegeplanungen und weiteren Unterrichtsunterlagen und wir reden darüber. Ich bin ja auch Krankenpfleger und wir reden von Kollege zu Kollegin.

Auch Ying Lurn Seng ist nicht gern in Bangkok und freut sich darauf im Shanstaat arbeiten zu können. Aber sie scheint voller positiver Energie zu stecken. Was ihr nicht gefällt ist, dass sie die einstündigen Busfahrten vom Wohnheim zum Krankenhaus und ihre Arbeitskleidung incl. Schuhe komplett selbst zahlen muss. Wir werden deshalb das Budget für ihr Stipendium anpassen müssen. Das Geld für diese Dinge kann sie unmöglich selbst aufbringen.

Beide Universitäten liegen im Osten der Stadt. An den Uni’s herrscht eine sehr internationale Atmosphäre. Unsere beiden Stipendiatinnen  lernen mit Kommolitonen aus aller Welt zusammen und geniessen dies. Auch sie sind ja mit ihren myanmarischen Pässen Ausländer in Thailand. Die Thaisprache macht beiden aber keine Probleme.

Nachdem wir in einem kleinen chinesischen Restaurant gegessen haben gehen wir zum nahen Sportpark und setzen uns zu hunderten anderen jungen Leuten ins Gras an einen kleinen See. Ich dürfte wohl tatsächlich der weitaus älteste hier sein. Hier reden wir noch viel und geniessen den Abend. Schliesslich verabschiede ich mich und fahre zurück ins Hotel.

Abschliessend habe ich den Eindruck, dass beide Stipendien absolut Sinn machen und eine gute und nachhaltige Hilfe darstellen. Beide sind sehr dankbar für diese Unterstützung.

Marcus Mitwollen

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